Mein erstes Jahr mit LCHF

Am 4. Dezember 2010 haben mir meine Schutzengel den Weg zu LCHF.DE gewiesen. Ich betrachte das wirklich als die Rettung in letzter Sekunde. Schon als dicklicher Schuljunge begann mein Kampf mit dem Übergewicht. Ich habe mich im Laufe des Lebens (bis zum 60. Lebensjahr) mit Reduktions-»Diäten« und JoJo auf 164kg hochgeschaukelt. Heute kenne ich alle Ursachen und Gründe, muss aber nicht jammern, dass ich nicht schon früher LCHF gefunden habe. Vor 20 oder 30 Jahren wäre ich vermutlich gar nicht für LCHF bereit gewesen. Es gibt Lebenslagen mit anderen „Prioritäten“.
Ich musste auch erst einmal alle Süchte sortieren, aussortieren und überflüssig machen. Es gab Zeiten, da habe ich 60 Zigaretten geraucht, es gab Zeiten ,da habe ich viel Bier getrunken, es gab Zeiten, da habe ich viel gefressen und es gab Zeiten, da habe ich alles gleichzeitig gemacht.Seit 15 Jahren rauche ich nicht mehr und trinke keinen Alkohol mehr. Da blieb als letztes Suchtmittel nur noch das Essen. Ich esse, um mich zu belohnen, aus Freude sowie aus Frust und Kummer, aus Langeweile bei Stress und zwischendurch. Also immer!
Erst etwas Herzhaftes, danach unbedingt etwas Süßes. Der Japp auf Süßes ist besonders stark, wenn ich stark gewürzt esse. Nach dem Süßkram muss ich etwas Herzhaftes in den Mund stecken, selbst wenn ich keinen Hunger habe. (Darum reagiere ich heute auch so rigoros bei Süßkram-Diskussionen, weil ich weiß, dass Süßkram bei Menschen, die ein gestörtes Essverhalten haben, die Kommunikation zwischen Hirn, Stoffwechsel, Gaumen und Bauch mächtig torpediert.)
Ok, ich will Euch mit diesem Kreislauf nicht langweilen. Der Kreislauf ist ja nun durchbrochen. Das kann ich nach einem Jahr mit ruhigem Gewissen sagen. Ich habe zwar noch lange nicht mein Wunschgewicht erreicht, aber die ersten 34 kg sind weg und zwar dauerhaft weg. Die nächsten Kilos gehe ich mit einer großen Gelassenheit an, weil ich jetzt schon angekommen bin, obwohl der Weg noch nicht zu Ende ist. Ich bin schon so nahe am Horizont, dass ich das Licht deutlich sehe. Der restliche Weg ist nicht nur vorgezeichnet, sondern attraktiv, leicht und voller Zufriedenheit. Ich war noch nie in meinem Leben so zufrieden mit meiner Ernährung.
Ich halte mich strikt an LCHF. Es gibt keine Ausnahmen – ich vermisse sie auch nicht. Zu Braunkohl und Brägenwurst esse ich ein extra dickes Stück Kassler – Kartoffeln vermisse ich dabei gar nicht. Frikadellen, Rouladen, Gulasch, Eier in jeder Verarbeitungsform usw, usw. Ich habe bei LCHF ein riesiges Repertoire. Auch wenn ich (was immer seltener wird) mal eine Frustfressattacke habe, richtet sie keinen Schaden an. Ich nehme einfach nicht wieder zu. Wenn ich zu viel Käse und Gemüse futtere oder zwischen meinen beiden Mahlzeiten »grase«, stagniert die Abnahme. Sie stagniert auch bei zu wenig Bewegung. Das weiß ich und nehme es zurzeit bewusst in Kauf. Vielleicht freut sich auch die Haut darüber, dass die  Abnehmgeschwindigkeit etwas reduziert ist? Am Bauch ist jetzt schon jede Menge Haut »über!« ;)

Ich beantwortete auch gleich die Frage, woher ich denn weiß, dass es dieses Mal klappt? Es könnte doch sein, dass ich auch dieses Mal nicht durchhalte und wieder in alte Muster verfalle.
Das ist ganz einfach! Bei jeder Hungerkur, egal ob Nulldiät oder einer der bekannten Reduktionsdiäten, war es auch immer ein »Durchhalten«. Im Kopf war verankert: Ich mache Diät – die dauert so und so lange, bis ich wieder »normal« essen kann. Bis ich wieder meine geliebten Pommes, Brot, Kuchen und den dicken Eisbecher bekomme.

In einem Jahr LCHF hatte ich noch nie das Gefühl, »durchhalten« zu müssen. Es ist für mich einfach klar, dass ich mich bis an mein Lebensende so ernähre. Da gibt es für mich keinerlei Zweifel! Warum sollte ich das aufgeben? Ich bin zufrieden, fühle mich wohl, meine Blutwerte sind super.

Es gäbe nur einen Grund, diese Ernährung aufzugeben – dann, wenn ich mich selbst aufgeben will – aber dafür sehe ich weder einen Grund, noch gibt es dafür irgendeinen Anlass! Da ich mich nun schon sehr viel besser fühle, als mit 34kg mehr, immer satt und zufrieden bin, wäre es wirklich selbstzerstörerisch, wieder in alte Muster zu verfallen.
Anderen Menschen zuliebe Kohlenhydrate futtern, sehe ich auch nicht mehr ein. Wer das nach ausführlicher Erklärung immer noch nicht verstehen WILL, kann mir nun endlich gestohlen bleiben und seine „Schnittchen“, seinen Erbseneintopf oder Weihnachtsstollen alleine futtern. (Meine Familie und Freunde unterstützen mich voll! Es sind auch nur ein paar „Bekannte“, die es nicht akzeptieren!)

Ich werde Euch nächstes Jahr am 4. Dezember, zu meinem 2. LCHF-Geburtstag berichten, ob sich an meiner Sichtweise etwas verändert hat, wenn mir bis dahin nicht der Himmel auf den Kopf fällt, oder ich vom Blitz getroffen werde. Aber an einem Brötchen, Streuselkuchen oder Marzipanbrot ersticken werde ich ganz sicher nicht! ;)

Ich weiß, dass LCHF in erster Linie eine gesunde Ernährungsweise ist. Für MICH ist LCHF aber die einzige Möglichkeit, mein Gewicht zu reduzieren und es dann zu halten. Wenn ich dank LCHF auch noch gesund werde und bleibe und ein paar Jahre länger lebe, bin ich LCHF um so dankbarer! Da ich das Essen aber immer noch »benutze« und die Ursachen dafür auch nicht abstellen WILL, ist diese Ernährung für mich einfach ideal!

Ich bin LCHF dankbar  – für immer!

Gruß Heinrich
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11 Antworten zu Mein erstes Jahr mit LCHF

  1. Tini schreibt:

    Wunderschön geschrieben. Danke für Deine Offenheit.
    Ich bin sehr stolz auf Dich – und freue mich, dass Du Deinen Weg gefunden hast.

    Gruß Tini Schmedderling

  2. SOLEILrouge schreibt:

    Großartig, mon cher Henri!!!
    NA, wenn das mal nicht ein toller Beitrag für die LCHF-Seite ist.
    => „Das Wort geht an … Heinrich“
    Sollen wir Nicole drauf ansetzen? 😉
    Mach du nur weiter so in deinem dir eigenen Tempo…. MINUS 34 kg in einem Jahr ist ’ne ganzganz tolle Leistung. Ich ziehe meinen Hut vor dir, wünsche dir für das nächste Jahr ebensoviel Elan & hoffe auf ein Wiedersehen im Frühjahr!
    Alles Liebe
    dein LCHF-Schutzengelchen
    SOLEILrouge 🙂

  3. Heinrich schreibt:

    Liebe Tini, liebe Ingrid,
    Ihr treuen Seelen! Danke!
    Euer Heinrich
    Die Frage über „das Wort geht an“ habe ich im Forum schon geklärt! 😉

  4. Nikola Hotel schreibt:

    Lieber Heinrich,

    das war wunderbar zu lesen. Ich bewundere und beneide Sie, das muss ich offen zugeben. Und es hört sich bei Ihnen auch gar nicht so schwer an. Der Weg, meine ich.;)
    Ein ganzes Jahr von vielen noch folgenden – Chapeau!
    (Dabei stelle ich schon seit Monaten einen auffälligen Zufriedenheitsfaktor in Ihren Posts fest. Und die Ungläubigen, die das nicht akzeptieren wollen, können entweder nicht sehen/hören/fühlen oder Ihnen gestohlen bleiben.)

    Liebe Grüße
    Nikola

  5. Heinrich schreibt:

    Liebe Nikola,
    ich freue mich sehr über ein Lob von Ihnen, und Ihre Feststellung, dass ich zufriedener klinge. Aber wenn wir Neid und Bewunderung in die Waagschalen legen, ist meine Seite so oder so immer noch sehr viel schwerer. 😉
    Gruß Heinrich

  6. Sudda Sudda schreibt:

    Feste gedrückt!

  7. Sabine Dee schreibt:

    Na das ist ja süß, hier noch ein Heinrich-Blog entdeckt zu haben 🙂 Zumal ich auch gerade wieder am Fasten bin.
    Ich ziehen den Hut vor Ihnen und Ihrem Erfolg. Mehr als 30 Kilo finde ich universisch. Ich kämpfe zwar auch immer mal mit dem einen oder anderen Kilo, aber das pendelt sich im Guten wie im Schlechten so bei 5 ein.
    Man ist fast schon verführt, die zweischneidige Aussage „Nichts schmeckt so gut, wie schlank (im O-Ton offenbar „dünn“) sein sich anfühlt“ zu verstreuen. Doch nachdem ich weiß, dass sie ihren Ursprung in der Pro-Anorexia-Szene hat, bin ich da vorsichtig. Für mich habe ich diesen Satz stets als Motivation betrachtet, um durchzuhalten, wenn es ein paar Kilos an den Speck gehen soll. Ich verstehe ihn so, dass ein gutes Körpergefühl – also das Wohlfühlen im eigenen Körper – gesünder für Leib und Seele ist als das kurzfristige Nachgeben einer Gier, denn ich kann kein Eis oder sonst was so lange genießen, wie ich später unzufrieden vor dem Spiegel stehe.

    Toll machen Sie das, auch wenn ich kein Fan von Atkins und ähnlichen Diätformen bin. Ich wünsche Ihnen Erfolg bis zum angestrebten Ziel.

  8. Heinrich schreibt:

    Eben nicht süß, liebe Sabine. 😉
    Das ist nämlich bei mir die Einstiegspforte im Esskarussell. Nach dem Süßen muss es etwas Handfestes her, das Handfeste muss scharf gewürzt werden und nach Scharfgewürztem habe ich Japp auf etwas Süßes. (Früher kamen dazwischen noch Bier und Zigaretten)
    Dieser Japp auf Süßes ist bei MIR am 2. LCHF-Tag weg gewesen. Und plötzlich schmeckt Sahne auch ohne Zucker sehr süß!
    Wer sich schon immer „normal“ und verantwortungsbewusst ernährt hat, wie Sie, meine Frau und viele andere Menschen, kann mein Dilemma sicher nur ansatzweise nachvollziehen. Aber NUN bin ich auch ernährungstechnisch ein glücklicher Mensch!

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich freue mich, dass Sie vorbeigeschaut haben! Gerade, wo Ihre Buchstaben in letzter Zeit etwas zaghafter ins Netz purzeln. Wenn Sie etwas schreiben, lerne ich immer etwas dazu!

    Gruß Heinrich

  9. SOLEILrouge schreibt:

    Mon cher Henri,
    na, alles klar bei dir? Bald feierst du ja dein 2-jähriges… toll!
    Bist du überhaupt noch „dabei“?
    Und wenn ja, wie geht’s dir damit so? Konntest du weitere Abnehmerfolge erzielen?
    Antwort gerne auch per PN… die solltest du noch haben, oder? (ansonsten findest du die Email-Adresse auf meinem Blog)
    Ganz herzliche Grüße von einem deiner Schutzengelchen
    SOLEILrouge 🙂

    • Heinrich schreibt:

      Liebe SOLEILrouge,

      ich beantworte das gerne öffentlich, dass ich wohl noch „dabei“ bin, aber ziemlich halbherzig. Im Sommer habe ich oft Eisbecher gefuttert. Das macht sich natürlich „bemerkbar“. Aber es erhöht auch an anderer Ecke die Lebensqualität.
      Ob ich genung „Kraft“ habe, nun im Winter wieder konsequent zu sein, will ich weder versprechen noch blauäugig annehmen. 😉
      Ich schreibe Dir gerne noch mal eine Email, um zu erfahren, ob es Dir gut geht?! Aber ich möchte nicht nur meine Erfolgen berichten, sondern auch zu meinen Schwächen stehen. LCHF ist zwar unvergleichlich Spitze, aber nicht das Allheilmittel für alle Lebenslagen die Leib und Seele so erleben. 😉

      Herzliche Grüße
      Heinrich

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